99 786 in Oberwiesenthal
99 786 in Oberwiesenthal
99 790 äußerlich auf Hochglanz poliert in Freital-Hainsberg
99 790 in Freital-Hainsberg
Die Front der 99 789 mit der geschweißten Rauchkammertür
99 789 kalt abgestellt in Freital-Hainsberg

 
Technik der Neubaulok Baureihe 99.77-79:
 
Allgemeine Daten:
Gesamtlänge 10.700 mm Kesseldruck 14 bar Strahlungsheizfläche 8,5 m²
Schornsteinoberkante über SO 3550 mm Wandstärke 13 mm Verdampfungsheizfläche gesamt: 76,1 m²
Leergewicht 41.970 kg Rohrlänge 3200 mm Verdampfungsleistung bei 60 kg/m²/h: 5100 kg/h
Dienstgewicht 54.290 kg 28 Rauchrohre* 110/118-121 mm Rostfläche 2,58 m²
Reibungsgewicht 44.120 kg 92 Heizrohre 39,5/44,5 mm Rahmenwangenstärke 30 mm
Wasservorrat 5,8 m³ Rohrheizfläche: 67,6 m² Mittenabstand der Rahmenwangen 500 mm
Kohlevorrat 3.600 kg Rauchrohre 31,0 m² Treibraddurchmesser 800 mm
Ölvorrat 2.900 l Heizrohre 36,6 m² Laufraddurchmesser 550 mm
Achslast 9 t Überhitzerheizfläche 27 m² fester Achsstand 4000 mm
zulässige Höchstgeschwindigkeit 30 km/h 28 vierrohrige Überhitzerelemente 
bei Ölfeuerung 800 mm gekürzt
Gesamtachsstand 7600 mm
   
    (*) bis einschließlich 99 787 118 mm dann 121 mm    
99 790 zeigt den letzten Zustand vor dem Neubau
Die Pfeife am Sicherheitsventil, fehlende Tritt-
einpolterungen und verlängertes Führerhaus an 99 790.
Heizerseite der 99 790
99 790 im letzten Zustand der Loks vor dem Neubau
 
99 775 wurde im Januar 1992 neugebaut
99 775 wurde bis Januar 1992 im Raw Görlitz neuerbaut
 

 
Kessel:

Der vollständig geschweißte Kessel besteht aus St 34. Der Langkessel enstand beim ersten Baulos noch aus einem Stück, beim zweiten Baulos fertigte man zwei Kesselschüsse. Der erste Schuß trägt den Speisedom, der zweite Schuß den Reglerdom. Durch das stumpfe Aufeinanderschweißen der beiden Bauteile besitzt der Langkessel überall den gleichen Außendurchmesser von 1400 mm. Die Blechdicke beträgt 13 mm. Zur Vergrößerung der für die Dampferzeugung wertvollen Strahlungsheizfläche wurde der Abstand zwischen den Rohrwänden um 300 mm auf 3200 mm verringert.

Foto

Der Stehkessel ist mit 2563,5 mm wesentlich länger als bei der Einheitslok(2009 mm), die Stehkesselvorderwand liegt etwa in Höhe der Treibachsmitte, bei den Einheitsloks zwischen Treibachse und vierter Kuppelachse. Der Stehkesselmantel wird aus einem Stück gefertigt und im vorderen Teil zylindrisch dem Langkessel angepasst und mit diesem verschweißt. Die Wanddicke beträgt ebenfalss 13 mm. Die Stehkesselrückwand ist wie bei der Einheitslok um 12° nach vorn geneigt und nur im oberen Abschnitt, zur Aufnahme des Reglergestänges senkrecht und mit einem Blechanker verschweißt. Die Seitenwände sind senkrecht. Auch die Feuerbüchse ist länger als bei den Einheitsloks, sie besteht aus 10 mm starken Kümpelteilen, die Decke ist nach hinten geneigt um auch bei Talfahrt und Rauchkammer voran immer von Wasser überspült zu sein. Der niedrigste Wasserstand liegt 100 mm über der Feuerbüchse. Die Rohrwand hat eine Stärke von 15 mm und die Rohre sind eingewalzt. Um sich die Möglichkeit eines mehrmaligen Nacharbeitens ohne Rohrwandtausch zu erhalten, sind die Rohre im Bereich der Feuerbüchsrohrwand eingezogen. Die Feuerbüchse wird gegenüber dem Stehkessel mittels eines 35 mm starken Bodenringes aus Flachstahl versteift. An der Rohrwand befinden sich 14 angeschweißte Bodenanker. Außerdem wurden 837 Stabstehbolzen aus Stahl eingebaut, welche beim 1. Baulos 16 mm stark waren. Beim zweiten Baulos verringerte sich ihre Zahl auf 827 aufgrund des 2 mm größeren Durchmessers. Die Stehbolzen werden verschweißt. Die Feuerbüchsdecke wird von 136 Deckenstehbolzen(22 mm stark) getragen, zusätzlich 8 als Stiftschrauben ausgebildet Stehbolzen tragen Armaturstutzen und Sicherheitsventile. Die als Rundeisen ausgebildeten Queranker zur Versteifung der Stehkesseldecke haben beim ersten Baulos noch einen Durchmesser von 36 mm, der beim zweiten Baulos auf 40 mm vergrößert wird. Sie sind direkt mit dem Stehkesselmantel verschweißt. Der Steuerbockuntersatz wird ebenfalls direkt an die Stehkesselseitenwand angeschweißt, was wegen der Wärmeausdehnung nicht ganz unproblematig ist und zu Rissen in der Stehkesselwand führt. Die Rostfläche wurde um 0,84 m² vergößert, da die Loks mit Braunkohle gefeuert werden, welche eine schlechteren Heizwert als Steinkohle besitzt. Deshalb müssen zur Freisetzung derselben Energie natürlich größere Mengen verbrannt werden. Die Rostfläche ist wieder geneigt und dreiteilig, das mittlere Feld läst sich mittels Spindel kippen. Der Aschkasten mußte zwischen die Rahmenwangen eingezogen werden. Da Braunkohle auch eine größere Zufuhr an Verbrennungsluft verlangt, ist er mit vier Luftklappen ausgrüstet. Natürlich besitzt die Neubaulok wie ihre Vorgänger eine Aschkastennäßeinrichtung um ein Ausglühen zu verhindern. Der Aschkastenboden besteht aus zwei Klappen zum Entleeren.

Die 1537 mm lange Rauchkammer(Einheitslok 1950 mm) wird mittels Kehlnähten am Langkessel angeschweißt. Sie hat einen Durchmesser von 1510 mm und trägt an der rechten Seite die Luftpumpe. Die Blechdicke beträgt 10 mm. Auf einen Rauchkammerzentralverschluß wird verzichtet. Funkenfänger, Näßeinrichtung und Hilfsbläser wurden von der Einheitslok übernommen. Auch das Blasrohr besitzt mit 95 mm den gleichen Durchmesser wie bei der Einheitslok.

Auf dem hinteren Kesselschuß befindet sich der Reglerdom mit Naßdampfventilregler Bauart Schmidt &Wagner. Der Naßdampf gelangt über das Reglerrohr in den Naßdampfkasten in der Rauchkammer und von dort in die Überhitzerelemente. Zur Ermittlung der Temperatur des überhitzen Dampfes ist ein Pyrometer vorhanden.

In den Speisedom auf dem vorderen Kesselschuß münden auf beiden Seiten die Speiseleitungen der zwei Dampfstrahlpumpen. Im Speisedom wird der Wasserstrahl gegen ein Prallblech geleitet und läuft über den Winkelrostspeisewasserreiniger und ein Rieselblech in den Kessel. Im Langkesselboden darunter befindet sich ein Everlasting-Absperrschieber welcher zwischen 1965 und 1967 wieder ausgebaut wurde. 99 775 bis 99 786 und die Mansfeld-Loks besaßen zwei saugende Strahlpumpen Bauart Strube mit einer Förderleistung von 150 l/min, alle anderen Maschinen solche mit 125 l/min. Beide Strahlpumpen befinden sich auf der Heizerseite. Die Pumpen erhalten ihren Dampf vom Dampfentnahmestutzen auf dem Stehkesselscheitel vor dem Führerhaus und besitzen jeweils ein Absperrventil, außerdem werden über denselben Anschluß ein Umschaltventil und einen Dreiwegehahn für Spritzschlauch und Näßeinrichtungen bedient. Die zwei Wasserstandsanzeiger sind wie üblich an der Stehkesselrückwand angeordnet und an das obere Ende der Kesseldecke angeschlossen. Ab 1967 wurden Wasserstandsanzeiger der Bauart Cardo eingebaut.

Wie ihre Vorgänger besitzen auch die Neubaulos 18 Waschluken, allerdings in anderer Anordnung.

Vom Dampfentnahmestutzen werden außerdem noch Luftpumpe, Sauger, Hilfsbläser, Lichtmaschine, Zugheizung und Strahlpumpen versorgt. Die Sicherheitsventile befinden sich nicht mehr am Reglerdom sondern direkt auf dem Stehkessel. Die Dampfpfeife wechselte mehrmals den Standort, anfangs befand sie sich in Höhe des hinteren Sandkastens angeflanscht an das Ackermannsicherheitsventil, bei den Nachbauten wurde sie neben den Schornstein verlegt (nicht bei 99 771 und 99 772) und heute befindet sie sich bei fast allen Maschinen direkt am Reglerdom. Das Druckluftläutewerk befindet sich vor dem Schornstein.

Zwischen Regler- und Speisedom sowie auf dem Stehkesselscheitel befindet sich je ein Sanddom. Der Druckluftsandstreuer besandet bei Vorwärtsfahrt die 1.-3.Kuppelachse und bei Rückwärtsfahrt die 3.-5. Kuppelachse.

Aufgrund des Fehlens geeigneter Bauteile werden die ersten Loks noch mit 24V / 0,5kW Lichtmaschinen der Firma Pintsch ausgerüstet, später folgt die Umrüstung auf 85V / 5kW, womit auch die Zugbeleuchtung betrieben werden kann. Die Lokomotiven haben schon bei Anlieferung Dreilichtspitzensignal.


 
Rahmen und Laufwerk:

Da die Herstellung eines Barrenrahmens anfangs der fünfziger Jahre in der DDR aufgrund fehlender Maschinen nur schwer möglich war, entschied man sich für den Blechrahmen. Die Rahmenwangen aus jeweils vier zusammengescheißten Blechen sind 30 mm stark. Im Bereich des Stehkessels zwischen Treib.- und 5.Kuppelachse sind die Rahmenwangen von 585 mm auf 471 mm Höhe eingezogen, um den Stehkessel unterzubringen. Allerdings wurde in diesem Bereich zur Verstärkung ein 15 mm starkes Blech auf die Oberkannte geschweißt. Bei der 2. Bauserie wurde es sogar noch 5 mm stärker ausgeführt. Die Rahmenwangen werden durch zwei 12 mm starke Obergurte gegeneinander versteift, außerdem existieren Querverbindungen zwischen den Zylindern  und unter dem Stehkessel, welche gleichzeitig zur Aufnahme der Kräfte aus der Zugvorrichtung dienen sowie als Auflieger für den Stehkessel genutzt werden. Zwischen 1. und 2. sowie über der Zweiten Kuppelachse befinden sich zwei 8 mm dicke Pendelbleche. Der Rauchkammerträger liegt über der vorderen Laufachse. Vor der vierten Kuppelachse befindet sich auf der linken Seite ein Ausschnitt für die Aschkastenklappenverriegelung, welcher sich später als nicht unproblematisch zeigte, da dort Rißbildung auftrat. Selbiges Problem trat an den Achslagerausschnitten auf. Ebenfalls sehr rißanfällig erwiesen sich die Querverbindungen zwischen den Zylindern. Man wollte dem mit aufgeschweißten Verstärkungslaschen begegnen, doch traten bis heute immer wieder Risse auf. Der Ausschnitt für die Aschkastenklappenverriegelung mußte später sogar zugeschweißt werden. 

Zylinder der 99 790

Linker Zylinder der 99 790. Die Ausströmkästen sind angegossen, die Zylindersicherheitsventile fehlen. Der Rauchkammerträger liegt anders als bei den Einheitsloks über der Laufachse. Der Steuerungsträger stützt sich auf den Zylinder.

Das Laufwerk wurde von der Einheitslok übernommen, allerdings ersetzte man die Obergethmannlager durch solche der Bauart Mangold. Die erste, dritte und fünfte Achse sind fest im Rahmen gelagert, die zweite und vierte Achse können 12 mm nach jeder Seite ausschwenken. Die Treibachse besitzt keinen Spurkranz. Zwischen 1966 und 1968 wurden auch die Spurkränze der 2. und 4. Kuppelachse um 10 mm abgeschwächt.
Auch das Laufwerk war Anlaß von Beschwerden des Betriebsdienstes, es zeichnete sich seit den 60er Jahren durch hohe Entgleisungfreudigkeit aus. Ursache war die unterschiedliche Belastung der beiden Ausgleichgruppen. Dem konnte durch Veränderung der Tragfedern der ersten Ausgleichsgruppe sowie Verlängerung der Federstützen der Laufachsen abgeholfen werden.

Laufwerk Heizerseite der 99 790

Von der letzten Kuppelachse wird die Schmierpumpe angetrieben. Alle Kuppelstangenlager sind feste Buchsenlager. Die Sandrohre liefen anfangs hinter den Rädern entlang, wurden dort aber oft plattgedrückt und deshalb davorverlegt. Dieses Problem gab es übrigens schon bei den Einheitsloks und wurde Jahre vor Erscheinen der Neubauloks abgestellt !


 
Triebwerk und Steuerung:
 

Auch Triebwerk und Steuerung wurden mit einigen kleinen Änderungen von den Einheitsloks übernommen. Allerdings wurde der Schieberkreuzkopf durch eine einfache Aufhängung wie sie bei der Baureihe 52 üblich war ersetzt. Die Ausströmkästen sind nicht mehr extra angeschraubt sondern gleich mit angegossen wurden. Auch bei den Neubaulos verwendete man anfangs Druckausgleichkolbenschieber Bauart Müller, sie wurden bereits zwischen 1963 und 1965 durch Trofimow-Schieber ersetzt. Auch die Zylindersicherheitsventile entfielen ab 1971. Das erste Baulos erhielt Geschwindigkeitsmesser der Bauart Thalheim, Leipzig mit einem Meßbereich 30/30 km/h, das zweite Baulos erhielt solche der Bauart UWL 30 des Meßgerätewerks Quedlinburg mit einem Meßbereich bis 60 km/h beidseitig. Der Antrieb erfolgte von der letzten Kuppelachse.

14 Schmierstellen werden von einer auf der Heizerseite im Führerhaus angebrachten Schmierölpumpe Bauart Michalk versorgt. Bei der ersten Bauserie wird an den beiden Laufachsen noch eine Starrfettschmierung angebracht, welche bei der zweiten Bauserie entfällt. Aufgrund sehr hohen Verschleißes wurde 1962/63 bei allen Loks die Spurkranzschmierung der Bauart Heyder eingebaut  welche von Thumer Eisenbahner später noch weiterentwickelt wurde. Zwischen Februar und Juni 1986 wurden an 99 772 Versuche mit lasergehärteten Spurkränzen durchgeführt, welche wegen starker Rißbildung und Ausbröckelungen an den Radreifen abgebrochen wurden.

Foto

 
Bremse:

Da sich am Bremssystem auf den sächsischen Schmalspurbahnen nichts geändert hatte, wurde die Bremsausrüstung von der Einheitslok übernommen. Dazu gehörten Hardy-Saugluftbremse, saugluftgesteuerte Druckluftbremse für die Lok, Heberleinbremse und Wurfhebelbremse. Luftbehälter liegen quer auf dem Rahmen und unter dem Führerhaus. 99 772, 99 786 und 99 794 erhielten keine Saugluftbremse da sie an die Rbd Erfurt zur Trusetalbahn geliefert wurden, wo die Druckluftbremse vorhanden war. Alle Lokomotiven erhielten eine zweistufige Luftpumpe mit Michalk-Schmierpumpe rechts neben der Rauchkammer. Auch die Druckluft für das Läutewerk und die Sandstreuer werden von ihr erzeugt. Die Einrichtungen der Heberleinbremse wurde später ausgebaut.

Von den originalen Neubauloks erhielten einige ab 1990 Druckluftbremse, die anderen wurden vorher abgestellt und neugebaut. Heute besitzen nur noch die Radebeuler 99 775, 99 778, 99 779, 99 788 und 99 793 Saugluftbremse. Auch die abgestellten 99 781 und 99 790 besitzt noch die Saugluftbremseinrichtungen.

Luftpumpe der 99 790

Anders als bei den Einheitsloks gestaltete man das Führerhaus. Es erhielt voll verschließbare Türen und auf dem Dach erst einen kleinen Lüftungsaufsatz, später einen größeren mit seitlichen Klappen, welcher 1972 durch ein Fenster mit dem bekannten DR-üblichen Schutzgitter ersetzt wurde. Die Rückwandfenster lagen anfangs auf Höhe der Kohlenkastenvorderwand wurden aber später zur Sichtverbesserung nach hinten versetzt. Die Tritteinpolterungen im Kohlekasten sind nicht mehr vorhandenen.

Die Dampfpfeife vor dem Führerhaus wurde wegen
Lärmbelastung neben den Schornstein verlegt.

 
Ölfeuerung:
 

99 787 im Bahnhof Bertsdorf. Neben den Schornstein ist die zweite Lichtmaschine erkennbar.
99 787 wurde als einzige Neubaulok auf Ölfeuerung umgebaut. Ihre um 1,8 m² größere Strahlungsheizfläche ließ eine gute Ausnutzung und größere Leistungsreserven als bei der Einheitslok erwarten. Der Ölbunker faßte statt 1900 l nun 2900 l ansonsten wurde die Ölfeuerung wie den Einheitsloks ausgeführt. Durch ihren schlechten Gesamtzustand und den fehlenden Oberflächenvorwärmer konnte bei den Meßfahrten im Mai 1994 kein geringerer Brennstoffverbrauch als bei den Einheitsloks festgestellt werden. Nach Fristablauf von 99 787 am 24.Februar 2001 ist 99 760 die letzte sächsische Schmalspurlok mit Ölfeuerung. 99 787 wird im Jahr 2003 wieder auf Kohlefeuerung zurückgebaut.
Beide Lichtmaschinen der 99 787. Die kleinere im Vordergrund wurde für die Flammenüberwachung der Ölfeuerung gebraucht.
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